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Das
Werk Rudolf Steiners
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umfasst mehr als 6000 Vorträge und viele hundert
Schriften, vom einfachen Aufsatz bis zu dem 700 Seiten-Werk
«Die Rätsel der Philosophie». Es ist das
umfangreichste Werk eines einzelnen Autors überhaupt. Selbst
das, was uns Goethe hinterlassen hat, ist verglichen damit wenig.
Es gab in den 100 Jahren seit der Begründung der
Geisteswissenschaft mehrere Versuche, die Vorträge und Werke
zugänglich zu machen. Vor allem Marie Steiner war es zu
Beginn, die mit dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag
zunächst Vortragsreihen (Zyklen) herausgab, später
auch Einzelvorträge und Sammlungen, insgesamt mehr als 500
Veröffentlichungen. Vieles wurde zudem in der
Zeitschrift «Das Goetheanum» und dem Beiblatt
«Was in der Anthroposophischen Gesellschaft
vorgeht» abgedruckt.
Um eine Übersicht zu schaffen, stellte Hans Schmidt, der
langjährige Bibliothekar am Goetheanum in Dornach/Schweiz,
eine Liste mit allen Vorträgen und ihren
Veröffentlichungen zusammen. Diese wurde als Buch unter dem
Titel «Das Vortragswerk Rudolf Steiners» erstmals
1950 und in einer zweiten Auflage 1978 veröffentlicht.
In den 60er Jahren begann der Rudolf Steiner Verlag, die Rudolf Steiner
Gesamtausgabe mit ihren inzwischen 343 Bänden herauszugeben.
Hier wurde eine Gliederung in Werke, öffentliche
Vorträge, Mitgliedervorträge und Vorträge zu
bestimmten Themengebieten vorgenommen. Die Gesamtausgabe umfasst etwa
4000 Vorträge. Von den genannten mehr als 6000
Vorträgen sind etwa 5200 von Zuhörern mitgeschrieben
worden, zum Teil
existieren nur spärliche Notizen.
Verschiedene Verlage verfolgten und verfolgen noch weitere
Ansätze. Von den nicht mehr aktiven sind dies z.B. der Zbinden
Verlag aus Basel oder der Novalis Verlag aus Freiburg. Noch aktiv sind
der Verlag Freies Geistesleben, der Archiati Verlag und als Herausgeber
der «Gesamtausgabe» der Rudolf Steiner Verlag.
Unterschiede der Ausgaben ergeben sich vor allem in der Ausstattung, in
der Titelgebung, im Preis und in der redaktionellen Bearbeitung der
Vorträge
Steiners. Die
Vorträge sind zum allergrößten Teil nicht
von Steiner selbst durchgesehen. D. h. konkret, daß
Zeichensetzung und
Gliederung in Absätze nicht von ihm stammen und z. B. auch die
Satzstellung vom Gesprochenen abweichen kann - und in vielen
Fällen noch vieles mehr. Die Nachschriften an sich
(Hörernotizen, schriftliche Zusammenfassungen, Nachschriften,
Stenogramme und deren Klartextübertragungen) mögen
schon Fehler aufweisen und jede sprachliche Bearbeitung, sei sie auch
noch so gewissenhaft, ist immer zugleich eine Interpretation des
Gesagten und kann somit auch in die Irre führen. Rudolf
Steiner hielt seine Vorträge stets frei - aus lebendiger
Geistes-Gegenwart - und da ist der unmittelbare sprachliche Ausdruck
von großer Bedeutung. Jede Bearbeitung mit dem Ziel, daraus
einen
"lesbaren Text" zu machen, läuft Gefahr,
diese
Lebendigkeit abzutöten. Ein Urteil über die
vorliegenden
Ausgaben wird erst möglich sein, wenn einmal das gesamte
Quellenmaterial öffentlich zugänglich sein wird - und
davon sind wir noch weit entfernt.
Unseres Erachtens ist es insgesamt um die Übersicht
über das Gesamtwerk nicht sehr gut bestellt, insbesondere was
das Vortragswerk angeht. Es gibt zwar die angesprochene Aufteilung der
Gesamtausgabe oder auch Versuche der Gliederung in
Grundkurse wie beim Archiati Verlag, aber das alles wird dem Charakter
von
Rudolf Steiners Vortragsweise und der Komplexität seiner
Inhalte
doch nur bedingt
gerecht. Seine Art, Vorträge zu halten, war in hohem
Maße interaktiv: Stil, Duktus und Inhalt der
Vorträge passte er immer dem Auffassungsvermögen und
der Art der Zuhörerschaft an. Dies ist unschwer zu bemerken,
wenn man etwa die öffentlich gehaltenen Vorträge mit
den Mitgliedervorträgen oder den Vorträgen vor
Arbeitern vergleicht. Ebenso auffallend ist der unterschiedliche Duktus
in verschiedenen Ländern, etwa in England, Skandinavien oder
Deutschland. Und das sind nur die gröberen Unterschiede; die
feineren zu entdecken bleibt Sache der individuellen Interpretation,
da uns ja die Informationen über die jeweilige
Zuhörerschaft im allgemeinen fehlen. Ein weiterer
Gesichtspunkt
ist der, daß sich in Steiners Vortragstätigkeit auch
sein
eigener Erkenntnisweg widerspiegelt. Ein bestimmtes Thema,
ein Blickwinkel oder Gesichtspunkt taucht zu einem bestimmten Zeitpunkt
auf, wird eine Zeit lang in immer neuen Varianten behandelt, und
verschwindet dann wieder - vielleicht um dann nach einigen Jahren in
verwandelter Form erneut aufgegriffen zu werden. Und manche Themen hat
er auch nur ein-
oder zweimal berührt, um dann nie wieder davon zu sprechen,
als ob ihm vielleicht bewußt geworden wäre,
daß seine
Zuhörerschaft nicht reif für diese Mitteilungen sei.
Da versagt dann jede eindimensionale Buchausgabe, bei der man sich ja
für eine bestimmte Auswahl und Anordnung entscheiden
muß. Die neuen Medien wie der Computer und damit auch das
Internet bieten ganz andere Möglichkeiten, der
Multidimensionalität des Steinerschen Vortragswerkes gerecht
zu
werden, weil sie immer neue Verknüpfungen erlauben und die
Texte sich dadurch immer neu kombinieren lassen, sei es inhaltlich nach
Begriffen, sei es sachlich nach Themengebieten oder rein zeitlich oder
örtlich ... Eines ist auf jeden Fall sicher: In den etwa 5200
erhaltenen Vorträgen schlummern sehr viele verborgene
Schätze, die es noch zu entdecken gilt. Dabei können
die
technischen Hilfsmittel der heutigen Zeit äußerst
nützlich sein.
Rudolf
Steiner im Internet
Obwohl
das Werk Rudolf Steiners seit 1996 gemeinfrei ist, also frei
von jeglichen Urheberrechten, und jeder es frei publizieren
könnte, war lange Zeit im Internet kaum ein Werk Rudolf
Steiners zu finden. Die einzig rühmliche Ausnahme bildete
hier rsarchive.org,
wo seit vielen
Jahren immer mehr Texte in englischer
Übersetzung veröffentlicht werden.
Eine Pionierarbeit war die Textdatenbank, die Rudolf
Saacke ins
Internet stellte, um eine Suche nach Stichworten im Werk Rudolf
Steiners zu ermöglichen. Der öffentliche Zugang
beschränkte
sich aber auf die Suche in den geschriebenen Werken; der Zugriff auf
das Vortragswerk konnte nur über Anfragen per Email erfolgen.
Anfang 2004 wurde dann im Internet die Volltextsuche innerhalb der
Gesamtausgabe (GA)
im Auftrag der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung ermöglicht.
Der
Zugriff auf die Texte selber war aber stark eingeschränkt, da
man nur die Seiten mit den Treffern angezeigt bekam und 2
Seiten vor- und zurückblättern konnte. Aber dieser
sehr verdienstvolle Ansatz, das komplexe Werk Rudolf Steiners nach
Querverbindungen durchsuchbar zu machen, wurde nach kurzer Zeit
wieder eingestellt, mit einer, wie uns scheint, ziemlich
fadenscheinigen Begründung (durch bösartige Attacken
aus
dem Netz sei der Datenbestand verändert worden). Die
Volltextsuche im Gesamtwerk wird derzeit nur den
Käufern einer GA-Festplatte als integrierte Funktion angeboten.
Die von Rudolf Steiner veröffentlichten schriftlichen Werke
kann man heute an mehreren Stellen im Internet finden. Im
Jahre 2009 gab es die ersten Bestrebungen, große Teile des
Gesamtwerkes Rudolf Steiners im Internet zu publizieren. Diese Seiten
orientieren sich an der Gesamtausgabe des Rudolf Steiner Verlages und
bieten z. T. auch eine mehr oder weniger gut brauchbare Volltextsuche
im Gesamtwerk an.
Originaldokumente
in größerer Zahl (Vortragsnachschriften als
Handschriften,
Typoskripte, Klartextübertragungen von Stenogrammen etc.), aus
denen auch Verlage Vortragsnachschriften in
redigierter Form
erstellen, wurden erstmals im Jahr 2008 durch das Uranos-Archiv der
Allgemeinheit
zugänglich gemacht. Als weitere Internetseite mit
ähnlicher Zielsetzung folgte im Jahr 2009 Rudolf
Steiner im
Klartext. Beide Projekte wie auch diese
Steiner-Datenbank erscheinen nun in erweiterter Form
unter der
Herausgeberschaft des Vereins Uranos - Gemeinschaft zur Förderung
geisteswissenschaftlicher Archive und Publikationen e. V..
Enthalten ist auch
viel unveröffentlichtes Material bzw.
Quellenmaterial zu Vorträgen, die nur in bestimmten
Zeitschriften erschienen und so gut wie unzugänglich sind. Es
ermöglicht erstmals, die Ausgaben
der verschiedenen Verlage mit den Quelldokumenten zu vergleichen.
Ziele
der Steiner-Datenbank
Steinerdatenbank.de
will in erster Linie Transparenz in diese komplexen
Zusammenhänge bringen. Wo und wann hat Rudolf Steiner zu
welchem Thema etwas gesagt? Wann und wo wurde es publiziert? Sind die
Bücher oder Schriften noch erhältlich, neu oder
antiquarisch? Gibt es Dokumente im Internet dazu? Welche Varianten in
der Bearbeitung gibt es und wie weit entsprechen sie den Quellen? Wir
wollen jedem ernsthaft an der Geisteswissenschaft
Rudolf
Steiners interessierten Menschen ein hilfreiches Instrument an die Hand
geben.
Steinerdatenbank.de ist ein offenes Projekt und das in
vielfältiger Hinsicht: zunächst einmal sind wir offen
für jeden Verbesserungsvorschlag und jede konstruktive Kritik.
Wenn Sie Fehler oder Auslassungen in der Datenbank
finden, sind wir
dankbar für jede Meldung. Wenn Sie im Internet Steinerwerke
publiziert haben oder Publikationen kennen, die wir noch nicht
erfaßt haben, melden Sie sich bitte bei uns. Es wird
eine offene Schnittstelle für Verlage geben, wo sie
Neuerscheinungen und Neuausgaben selbst zur Übernahme in die
Datenbank anmelden können. Und wenn Sie Lust haben
mitzuarbeiten, dann sind sie herzlich willkommen. Näheres dazu
erfahren Sie auf den Internetseiten des Uranos-Vereins.
Steinerdatenbank.de bietet auch eine Reihe von Dokumenten zum
Herunterladen an. Dabei handelt es sich um Ausgaben, die Michael
Schmidt bearbeitet und zuvor unter steinerquellen.de publiziert hat,
darunter befindet sich eine ganze Reihe von Erstausgaben von
Vorträgen
Rudolf Steiners. Die übrigen Vorträge basieren auf
der Ausgabe von Marie Steiner. Die angebotenen Hauptschriften Rudolf
Steiners folgen der Ausgabe letzter Hand zu Lebzeiten Rudolf Steiners.
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